Der Zielfinger Vogelsee

 

Einleitende Worte

Vor dem Kiesabbau der während der Spät- und Nacheiszeit angesammelten reichhaltigen Flussschotter war das Ablachtal eine große, weiträumige Wiesenlandschaft, welche von der Ablach und zahlreichen Entwässerungsgräben durchflossen wurde. Am Anfang der 50er Jahre begannen die Firmen Valet&Ott und Steidle mit dem Kiesabbau. Dadurch entstanden im Laufe der Jahre zehn Baggerseen mit einer Gesamtfläche von etwa 150ha. Ihre Tiefe beträgt an machen Stellen bis zu 10m. Die Flussschotter wurden bis 1973 in beträchtlichem Ausmaß ausgekiest und werden auch heute noch genutzt.

Diese großräumige Umgestaltung der Landschaft hatte natürlich Auswirkungen auf die Natur, insbesondere auf die Vogelwelt. Einer Anzahl selten gewordener oder verschwundener Vogelarten steht eine große Anzahl neu eingewanderter Arten gegenüber. Zu diesen neuen Brutvögeln gehören zum Beispiel der Flussregenpfeifer und die Flussseeschwalbe. Beide legen ihre Eier in eine kleine Nestmulde auf den Kiesboden. Mit eingeschütteten Kiesinseln und einem Nistfloß wurden für sie neue Lebensräume geschaffen.

Neben der allgemein bekannten Stockente brüten heute drei weitere Entenarten im Gebiet. Es sind dies die Schnatterente, die Reiherente und die Kolbenente. Ebenso haben sich Haubentaucher, Höckerschwan und die Graugans angesiedelt.

Nicht so leicht zu entdecken sind einige Arten, welche im Röhricht eine verborgene Lebensweise führen. Dazu zählen die Wasserralle und in machen Jahren auch das Tüpfelsumpfhuhn, die Bekassine sowie die Bartmeise und die Beutelmeise.

Neben der Lachmöwe kommt seit 1999 auch die Mittelmeermöwe auf den Seen vor. Im Jahr 2004 brütete sogar ein Paar der seltenen Schwarzkopfmöwe.

Viele Arten, die bereits früher an der Ablach vorkamen, wie z.B. das Blässhuhn und das Teichhuhn, der Teichrohrsänger und der Sumpfrohrsänger oder die Rohrammer, sind auch heute noch anzutreffen.

Seit Naturschützer am Vogelsee zwei künstliche Steilufer gebaut hat, brütet auch der Eisvogel im Gebiet. Die Ablach ist weitgehend begradigt und bietet nur noch an wenigen Stellen geeignete Uferabbrüche für die Anlage einer Niströhre.

Alle Vogelarten haben sich von selbst angesiedelt. Höckerschwan und Graugans kamen als Wildvögel früher nur im norddeutschen und polnischen Tiefland und in der pannonischen Tiefebene vor. Die Ansiedlung dieser Vögel in Süddeutschland geht auf entflogene Parkvögel zurück.

Das von Südwest nach Nordost verlaufende Ablachtal erstreckt sich genau in der in Westeuropa vorherrrschenden Vogel-Zugrichtung. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass hier auch zahlreiche durchziehende Vogelarten zu beobachten sind, die gelegentlich auch im Gebiet rasten. Der in Baden-Württemberg ausgerottete Fischadler überfliegt jedes Jahr die Seen. Auch liegen zahlreiche Beobachtungen seltener Arten wie z.B. Silber- und Nachtreiher oder von verschiedenen Schnepfenvögeln vor.

Auf den Schlickflächen rastet regelmäßig der in Sibirien brütende Zwergstrandläufer. Als besondere Schönheiten wurde schon zweimal der aus Island, Grönland oder Nordamerika stammende gänsegroße Eistaucher nachgewiesen. Dies macht das Gebiet für Ornithologen so besonders interessant. Im gesamten Baggerseegebiet wurden bis heute etwa 250 verschiedene Vogelarten gezählt (Originaltext siehe Artikel von Alfred Bauernfeind in der SZ v. 16.08.2004).

 

 

Beim Kiesabbau entstanden, wie bereits oben erwähnt, bisher 10 Baggerseen, unter anderem der Surfsee...

Impressionen vom Surfsee

 

...der Vogelsee und der Krauchenwieser Badesee, später dann der Südsee III (= heutiger Mengener Badesee), die durch Dämme mit jeweiligem Wasserüberlauf voneinander getrennt wurden.

 

Auch die Menschen nutzten die Baggerseen bald zur Erholung und Freizeitgestaltung. Um Tiere und Pflanzen vor dem Druck der Erholungssuchenden zu schützen, wurde der mittlere der ursprünglich drei großen Seen, der Vogelsee, 1992 auf Betreiben des NABU Sigmaringen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. 

Am "Eingang" zum Naturschutzgebiet weist ein Schild deutlich auf die Verhaltensmaßnahmen hin,...

 

...die von jedem Besucher des Naturschutzgebietes zu beachten sind.

 

Die "Tunnelwege" sind besonders für Kinder ein ganz besonderes Naturerlebnis!

 

Wertvolle Hecken säumen den Weg entlang des Vogelsees,...

...deren Farbenpracht besonders im Herbst zu bewundern ist und Vögeln wertvolle Nistmöglichkeiten bietet.

Unzugängliche Schilfgürtel geben auch Uferbrütern wertvollen Schutz.

 

Eine alte Eiche weist den Weg zu weiteren Naturschätzen.

Neben dem 48,5 ha umfassenden Naturschutzgebiet "Zielfinger Vogelsee"...

 

...haben sich auch die anderen Seen zu wertvollen Brut-, Nahrungs-, Rast- und Überwinterungsgebieten entwickelt.

[Hier folgt noch ein Teleobjektivbild mit Vögeln].

 

 

Auch zahlreiche Zugvogelarten machen jedes Jahr Halt...

 

...auf ihrem Weg vom und in ihr Winterquartier.

Am 29.04.2001 fand eine Exkursion zum Haubentaucher an den Zielfinger Vogelsee statt. Mit rund 30 Teilnehmern war diese Führung mit Werner Gottwald sehr gut besucht.      
    Unter anderem wurden mehrere Haubentaucher, Bläßhühner, Kolbenenten, Schwäne und Flußseeschwalben entdeckt. Auch Mönchsgrasmücken,  Heckenbraunellen, Kolkraben und ein Mäusebussard konnten beobachtet werden. 

Eine vom Ufer wegschwimmende größere Ringelnatter erstaunte alle Teilnehmer!

Die Wasserfläche des Zielfinger Vogelsees und dessen durch Schlickeinleitungen entstandene Uferbereiche entwickelten sich bald zu einem bedeutenden Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.

 

            

 

           
Der See darf einmal pro Jahr von Fischern mit einem Kahn und Netz befischt werden.  Ansonsten ist jeglicher Fischerei-, Jagd- oder Badebetrieb am Vogelsee zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt verboten!       

Die Exkursion war bei herrlich frühsommerlichem Wetter für jeden Teilnehmer ein Naturerlebnis der ganz besonderen Art! SZ v. 27.04.01

 

 

Letzte noch aktiv genutzte Kiesabbaustelle am Vogelsee

 

Blick auf den Surfsee am Abend

 

Lehrtafeln am Vogelsee:

      
 

              

 

           

 

 

 

 

Oktober 2008

         

         

Die Vogelinsel im Zielfinger Vogelsee wurde an einem wunderschönen sonnigen Herbsttag im Oktober 2008 unter der Anleitung von Fidelis Gauggel und Alfred Bauernfeind von NABU Sigmaringen unter Mithilfe von Antonia und Kerstin von Weidenbewuchs befreit.

         

         

     

 

Zum Vogel des Jahres 2001, dem Haubentaucher:  

Die Baggerseen bieten seltenen Vögeln eine Heimat (SZ v. 29.03.2007).

Graugänse machen den Bauern Ärger (SZ v. 07.08.2008).

Vogelschützer regen Gespräche mit Landwirten über die Graugänse an (SZ v. 22.03.2011).

Unsere Freunde vom NABU Sigmaringen waren mit Schafen und Ziegen unterwegs zum Paradies (SZ v. 16.08.2011a, SZ2011-08-16b).

 

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