Die Beine sind kräftig gelb, die Krallen schwarz gefärbt.
Turmfalke (Falco tinnuculus)
|
Foto: NABU, M. Heng
|
Der Turmfalke ist ist der zweithäufigste Greifvogel nach dem Mäusebussard in Mitteleuropa und Vogel des Jahres 2007. Vielen ist der Turmfalke durch seinen auffallenden Rüttelflug (s.u.) ein Begriff. Der klingende oder schellende Ruf des Turmfalken erinnert an ein "ti ti ti ti" und verändert sich in Ton und Rufgeschwindigkeit je nach Situation.
|
Männchen und Weibchen sind in ihrem Gefieder sehr unterschiedlich gefärbt. Die Männchen haben einen hellgrauen Kopf, während die Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt sind. Männchen erreichen eine durchschnittliche Körperlänge von 34cm und haben außerdem auf ihrem rotbraunen Rücken kleinere schwarze Flecken. Ihre Oberschwanzdecken, Hinterrücken und Schwanzfedern sind hellgrau. Die Unterseite ist hellfarben und nur leicht bräunlich gefleckt mit teilweise Streifung. Unterbauch und Unterflügeldecken sind nahezu weiß. Das Weibchen ist ca. 36cm lang und ist am Rücken dunkel quergebändert. Im Unterschied zum Männchen ist die Unterseite dunkler und hat mehr Flecken. Jungvögel gleichen in ihrem Gefieder den Weibchen.
Die Beine sind kräftig gelb, die Krallen schwarz gefärbt.
Der Turmfalke kann die Halswirbelsäule um ca. 180° drehen. Er kann damit ohne Bewegung des Körpers ein Blickfeld von etwa 220° abdecken.
Der Turmfalke fliegt schnell und etwas hastig. Seinen auffälligen Rüttelflug nutzt er zur Beutesuche. Er jagt auf freien Flächen mit niedrigem Bewuchs. Er bleibt dabei ca. 10 -20 m an einer Stelle in der Luft stehen und visiert seine Beute an. Sein Flügelschlag ist schnell, der Schwanz oftmals breit gefächert und leicht nach unten geknickt. Er schlägt seine Flügel waagerecht auf und ab. Hat er ein Beutetier im Ziel, z.B. eine Maus, stürzt er darauf zu und greift sie, wobei er kurz zuvor stark abbremst.
Die Balzflüge der Turmfalken lassen sich von März bis April beobachten. Sie sind vor allem Felsbrüter, die in entsprechend felsigen Regionen bevorzugt in Spalten und Höhlen brüten. Turmfalken bauen wie alle anderen Falken auch keine Nester. In felsarmen Regionen nutzt der Turmfalke die Nester anderer Vogelarten wie z.B. von Krähen. In Städten nutzen sie Gebäude- oder Mauerlöcher.
Der Turmfalke legt 3 bis 6 Eier, seine Jungen schlüpfen nach ca. 28 Tagen. Nur die Hälfte aller Jungen überleben das erste Lebensjahr, wenn aufgrund schlechter Witterungsbedingungen in den Wintermonaten die Jagd der Vögel sehr stark beeinträchtigt ist.
Turmfalken sind sowohl Stand-, Strich-
als auch Zugvögel. Ihr Zugverhalten hängt vom Nahrungsangebot
in ihrem Brutgebiet ab.
Der Turmfalke ist in Europa, Asien und Afrika zuhause, wo er in fast alle Klimazonen zu finden ist. Er gliedert sich in eine Anzahl von Unterarten auf, welche hier aber nicht näher beschrieben werden.
Die Wahl des Turmfalken durch den NABU zum Vogel des Jahres 2007 hat folgenden Hintergrund:
"Im Gegensatz zum 1971 vom Aussterben
bedrohten Wanderfalken ist der Turmfalke kein ganz seltener Vogel. Dennoch gehen
die Bestandszahlen langsam, aber stetig zurück. Auch wenn er nicht auf der Roten
Liste gefährdeter Arten steht und die Bestände in manchen Regionen stabil
geblieben sind, hat die Zahl der Turmfalken in einigen Teilen Deutschlands in
den vergangenen 30 Jahren deutlich abgenommen. In Baden-Württemberg ist die Zahl
der Brutpaare um mehr als die Hälfte zurückgegangen und in Hamburg,
Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben sich die Bestände um mehr als 20
Prozent reduziert, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.
Freie Flächen an den Stadt- und Dorfrändern würden durch Straßen und Neubauten
versiegelt, Nistmöglichkeiten an geeigneten Gebäuden bei Sanierungen häufig
verschlossen und Kirchtürme oftmals von außen unzugänglich gemacht. Dem
Turmfalken fehle es zunehmend an Nistplätzen und Nahrungsangebot. Denn auch die
offenen Landschaften – sein bevorzugtes Jagdrevier – würden immer eintöniger. Es
fehlen zunehmend Hecken, einzelne Bäume und Pfähle, die der Vogel als Ansitz für
die Jagd nutzt.
Der Turmfalke steht auch für den
Greifvogelschutz. Greifvögel sind zunehmend durch den Einsatz von Pflanzen- und
Insektenschutzmitteln in der Landwirtschaft bedroht, warnte LBV-Vorsitzender
Ludwig Sothmann. Als Endglieder in der Nahrungskette würden sie durch ihre
Beute, die sich vom Feld ernährt, regelrecht vergiftet. Eine naturverträgliche
Landwirtschaft mit breiten Acker- und Wegrändern, die ohne Insektizide und
Pestizide auskommt, seien wichtige Schutzmaßnahmen für den Turmfalken und andere
Greifvögel".