Star (Sturnus vulgaris)

Foto: NABU, Kerstin Kleinke

   

Der Star ist Vogel des Jahres 2018

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und sein bayerischer Partner LBV, Landesbund für Vogelschutz, haben den Star (Sturnus vulgaris) zum „Vogel des Jahres 2018“ gewählt. Der schillernde Singvogel löst den Waldkauz ab.


 

 

Aus Kinderliedern kennen alle den Star. „Doch der vielseitige, plaudernd-schwätzende Gesang des Stimmkünstlers ist seit der Jahrtausendwende im Südwesten seltener zu hören“, sagt Stefan Bosch, Vogelschutzexperte des NABU Baden-Württemberg. „Es fehlt ihm zunehmend an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung – insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft“, führt Bosch aus. In Baden-Württemberg gibt es über das ganze Land verteilt noch etwa 320.000 Brutpaare – damit ist der Star hier der zehnthäufigste Brutvogel.

„Der Star ist ein echtes Showtalent und würde bei jeder Castingshow abräumen“, sagt Bosch. Optisch bilden Männchen und Weibchen ein hübsches Paar – er mit metallisch glänzendem Gefieder, sie im mit hellen Punkten verzierten Prachtkleid. „Stimmlich ist der Star ein Könner der Imitation. Zudem bieten Starenschwärme im Frühling, aber auch im Herbst vor dem Vogelzug, einen faszinierenden vielstimmigen Chorgesang“, so der Ornithologe. Die Schwarmflüge sind ein spektakuläres Naturschauspiel, obwohl die Kurzstreckenzieher zunehmend im Südwesten überwintern. Stare brüten oft kolonieartig, sofern genügend Baumhöhlen zur Verfügung stehen, beispielsweise in Hartholzauen, Laub- und Mischwäldern oder Streuobstwiesen. In Deutschland ist der Bestand in nur zwei Jahrzehnten um eine Million auf inzwischen drei bis 4,5 Millionen Paare zurückgegangen. Die Zahl schwankt, abhängig vom Nahrungsangebot und dem Bruterfolg im Vorjahr. „Am Bodensee hat die Zahl der Brutpaare zwischen 1980 und 2010 um ganze 38 Prozent abgenommen“, rechnet Bosch vor.

„Wichtig für den Star ist – wie für viele gefährdete Vogelarten der Agrarlandschaft – wieder mehr Wiesen und Weiden extensiv zu nutzen, das heißt seltener und zur richtigen Zeit zu mähen, sowie Stoppelbrachen zu erhalten“, erklärt der Vogelschützer. Stare leben oft in Dörfern und Städten. Dort bauen sie ihre Nester in Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden. Nahrung finden sie in nahe gelegenen Grünflächen, Kleingärten und auf Friedhöfen. Doch auch im Siedlungsgebiet schwindet der Lebensraum des Singvogels durch Bauvorhaben und Sanierungen.

Der Star ist kein Kostverächter. „Seine Nahrung ist vielseitig und besteht aus allerlei Kleintieren und Früchten. Die stark industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Spritzmitteln und damit einhergehend dem Schwund von Insekten macht auch dem Star zu schaffen. „Wer ihm und anderen Vögeln im Garten etwas Gutes zu will, verzichtet auf Insektizide und gestaltet seinen Garten naturnah (Tipps auf NABU.de/garten), etwa mit einer Beerenhecke, die zwischen den Feldern leider immer seltener wird“, rät Bosch. Geeignete Nistplätze fehlen dort, wo alte Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden. Hier können Gartenbesitzerinnen und -besitzer helfen, indem sie neue Hochstämme pflanzen, die später bezogen werden können.


Kurz-Informationen:
Optik: Im Frühjahr sticht das Starenmännchen durch sein metallisch glänzendes Gefieder heraus. Helle Punkte verzieren vor allem das Prachtkleid des Weibchens. Im Spätsommer nach der Mauser enden die dunkelbraunen Federn der Jungtiere in einer weißen Spitze, einem Perlmuster ähnlich.
Stimme: Pfeifen, Schnalzen, Schnurren, Rattern und Rätschen – Stare sind Stimmtalente und können andere Vögel und Umgebungsgeräusche perfekt nachahmen und in ihren Gesang einbauen. Zu hören sind dann auch Handyklingeltöne, Trillerpfeifen, Hundebellen oder Alarmanlagen, aber auch sehr melodische Strophen. Den Gesang ergänzt der Star – da ist er ein echtes Showtalent – mit Flügelflattern und aufgestellten Kopfgefieder.
Flug: Abhängig von seinem Lebensort ist der Jahresvogel Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Standvogel. Mitteleuropäische Stare ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Manche Stare verzichten vermehrt auf lange Reisen und überwintern vor allem im Südwesten Deutschlands.

 

„Der Star ist bekannt als Allerweltsvogel – den Menschen vertraut und weit verbreitet. In Sachsen gibt es etwa 100.000 bis 200.000 Starenpaare, die Zahlen wurden im Atlas ‚Brutvögel in Sachsen‘ veröffentlicht. Doch die Präsenz des Stars in unserem Alltag täuscht, denn der Bestand nimmt ab. Es fehlt an Lebensräumen mit Brutmöglichkeiten und Nahrung – insbesondere verursacht durch die industrielle Landwirtschaft“, sagt René Sievert vom NABU Leipzig. Eine Million Starenpaare haben wir alleine in Deutschland in nur zwei Jahrzehnten verloren. Jetzt gilt es, den Star durch praktischen Naturschutz und Sicherung des Lebensraums zu unterstützen.

Als Brutvogel ist der Star in ganz Sachsen vertreten, besonders in dicht besiedelten Regionen wie Leipzig, Chemnitz-Zwickau und dem Oberen Elbtal, aber auch im Einzugsgebiet von Freiberg, der Südlausitz, in der Elbaue bei Torgau und der Muldeaue unterhalb von Wurzen. Überwinternde Stare gibt es regelmäßig in Sachsen, seit den 1970er-Jahren auch in höheren Berglagen. Berühmt wurden die Ansammlungen von bis zu 8.000 Überwinterern auf Bäumen vor dem Leipziger Hauptbahnhof, diese gab es jedoch nur Ende der 1960er- bis Anfang der 1980er-Jahre. Bezüglich Anzahl und Örtlichkeit ist dergleichen nicht wieder bekannt geworden.

Der Bestand des Stars in Deutschland schwankt jährlich zwischen 3 und 4,5 Millionen Paaren, je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg im Vorjahr. Das sind zehn Prozent des europäischen Starenbestandes, der bei 23 bis 56 Millionen liegt. Trotzdem ist der schillernde Geselle ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang der häufigen Vogelarten, denn sein Bestand nimmt stetig ab. In der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste ist der Star sogar direkt von „ungefährdet“ (RL 2007) auf „gefährdet“ (RL 2015) hochgestuft worden, ohne auf der Vorwarnliste zu stehen. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung kann eine Vogelart auch dann als gefährdet eingestuft werden, wenn sie noch relativ häufig vorkommt.Die Nahrung des Stars ist abhängig von den Jahreszeiten. Im Frühjahr stehen Kleintiere aus dem Boden auf dem Speiseplan. Im Sommer und Herbst schätzen Stare zusätzlich Früchte und Beeren. Gründe für seinen Rückgang sind der Verlust und die intensive Nutzung von Weiden, Wiesen und Feldern, auf denen der Star nicht mehr genug Würmer und Insekten zum Fressen findet. Werden Nutztiere nur im Stall gehalten, fehlt der Mist, der Insekten anlockt. Biozide und Agrochemikalien vernichten zudem weitere Nahrungstiere. Beerentragende Hecken zwischen den Feldern sucht man vielerorts ebenfalls vergebens. Geeignete Nistplätze fehlen dort, wo alte Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden.
 

Angepasst hat sich der Star an die Stadt: Der urbane Geselle nutzt Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden zum Nestbau. Parkanlagen, Friedhöfe und Kleingärten liefern ihm Nahrung. „Doch auch in der Stadt und im Dorf droht ihm Lebensraumverlust durch Bauvorhaben, Sanierungen oder Verkehrssicherungsmaßnahmen“, mahnt René Sievert. „In der schnell wachsenden Stadt Leipzig wird die Wildvogelhilfe des NABU von besorgten Bürgern oft zu Rettungseinsätzen gerufen, da bei Baumaßnahmen die Belange des Naturschutzes nicht ausreichend berücksichtigt und Nistplätze verschiedener Vogelarten an Häusern einfach verschlossen werden. Obwohl als „Allerweltsvogel“ betitelt, ist der Vogel des Jahres 2018 doch eher der „Star“ unter den Vögeln. Bewundert werden seine Schwarmflüge im Herbst, die als einzigartiges Naturschauspiel gelten. Im Frühjahr sticht das Starenmännchen durch sein metallisch glänzendes Gefieder heraus. Helle Punkte verzieren vor allem das Prachtkleid des Weibchens. Im Spätsommer nach der Mauser enden die dunkelbraunen Federn der Jungtiere in einer weißen Spitze, einem Perlmuster ähnlich. Hörenswert ist sein Talent der Imitation: Der Star kann andere Vögel und Umgebungsgeräusche perfekt nachahmen und in seinen Gesang einbauen. Zu hören sind dann auch Handyklingeltöne, Froschquaken, Hundebellen oder Alarmanlagen.
Abhängig von seinem Lebensort ist der Jahresvogel Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Standvogel. Mitteleuropäische Stare ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Manche Stare verzichten vermehrt auf lange Reisen und überwintern vor allem im Südwesten Deutschlands. Im Herbst sind auch am sächsischen Himmel die imposanten Schwarmwolken aus vielen tausend Staren am Himmel zu sehen, bevor sie während des Zuges an einem Schlafplatz Rast machen. So wurden zum Beispiel etwa 6.000 Stare im Gebiet der Leipziger Gartenanlage An den Theklafeldern und 10.000 Stare auf einem Maisstoppelfeld bei Wurzen gezählt.

 

(Quelle: NABU-Homepage und NABU-Presseveröffentlichung, Oktober 2017).


 

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