Der Ennetacher Berg

 

[Hier folgt noch ein Bild des Ennetacher Bergs in der Gesamtansicht]        

Vor rund 6 Mio. Jahren begann sich das Land zwischen Alpen und Alb zu heben, im Westen mehr als im Osten. Das tertiäre Molassemeer bildete sich zurück und fiel langsam trocken, aber die Zuflüsse von Süd und Nord blieben. So bildete sich vor etwa 3 Mio. Jahren in einer großen Abflussrinne nach Ost-Süd-Ost die "Urdonau", aus der sich die heutige Donau mit ihrem Flusssystem entwickelte. 

 

Die tertiäre Oberfläche der Landschaft wurde während der Risseiszeit vor etwa  120.000 - 90.000 Jahren vom Rissgletscher überzogen und auch umgeformt. Als vor 100.000 Jahren der Gletscher in unserer Gegend abschmolz, ließ er die mitgeführten Schotter und Sande auf der Oberfläche liegen - Grundmoräne, die dann teilweise durch die Schmelzwasser umgelagert und in den großen Abflussrinnen abgelagert wurde. 

 

Die beiden großen Abflussrinnen seit der Risseiszeit waren durch den Gletscher und seine abfließenden Schmelzwasser geschaffen worden, die Donau und die Ablach. Die Donau von Sigmaringen / Scheer bis Riedlingen und die Ablach von Meßkirch bis Mengen bzw. bis zu deren Mündung in die Donau. 

 

Die den Ennetacher Berg durchschneidende kleine Talaue ist eine Talfüllung mit Schottern, Auelehmen und Kalksinter. Sie wurde während der Eiszeit ausgehobelt und seither wieder etwas verfüllt. Außerdem wird sie vom Trögebach durchflossen, der in die Ablach mündet.

 

Beim Abfluss des Gletscher-Schmelzwassers wurde der Ennetacher Berg als Sporn aus der Molassefläche herausmodelliert, auf dem dann die Menschen der Bronzezeit siedelten und später die Römer ihr Kastell errichteten.

 

 

Donau-Talebene von Scheer her...  

 

...bis auf Höhe von Ennetach.    

Blick Richtung Südosten ins Ablachtal

 

Blick nach Süden /Südwesten ins Ablachtal mit beginnender kleiner Trögebach-Talaue. In der Ferne ist auch noch ein ehemaliger Teil, heute Ausläufer des Ennetacher Berges zu sehen, ein süd- bis südwestexponierter, teilweise terassenförmiger Hang.

 

 

 

Kleine Talaue in Richtung Ennetacher Trögebach-Aufstauung / Trögebachrenaturierung.        

 

Auch im Winter lohnt sich ein Spaziergang über den Ennetacher Berg.

         
     
       

         

 

 

 

      
Heute besitzt der Ennetacher Berg als §24a-Biotop (Info:1,2,3,4) einen sehr hohen ökologischen Wert und wird von vielen Tier- und Pflanzenarten besiedelt, die sich auch vom Menschen recht einfach aufsuchen und beobachten lassen,...
  ...wie links als landschaftsprägender Baum eine rund achtzig Jahre alte Eiche an einem kleinen Hang oder oben einer von drei Kastanienbäumen, die den Zugangspfad zum Ennetacher Berg prägen.

Streuobstbäume und einheimische Sträucher (Haselnuss, Weiß- und Schwarzdorn, Elsbeere, Eberesche, Hartriegel) prägen den mehr oder minder dicht bewachsenen Lebensraum "Ennetacher Berg".

 

Auch Romantiker kommen auf dem Ennetacher Berg nicht zu kurz!  

An dieser Stelle unweit der Kneipp-Wassertretstation kann man von Frühjahr bis Herbst Fledermäuse in der Abenddämmerung beim Beutefang beobachten, besonders gut bei lauem, trockenem Wetter. Unsere Ortsgruppe führte zuletzt anlässlich des Kindersommers 2000 zu den Fledermäusen auf dem Ennetacher Berg. Ultraschall-Laute >> 1, 2, 3.

Der Ausblick auf Ennetach und das weite Umland ist zu jeder Jahreszeit eine Wanderung wert !

         

 

Auch einzelne kleinere Streuobstwiesen (s.u.) und viele auf dem Ennetacher Berg noch vorhandene alte Streuobstbäume bieten vielen Tieren und Pflanzen einen wertvollen Lebensraum und zeigen ein Umfeld, wie es bis vor 30 Jahren noch um die Dörfer und kleineren Städte üblich war, ein Streuobstgürtel gegen Wind und Wetter, zur besseren Klimatisierung und zur ortsnahen Beweidung dieser Wiesen durch Kühe, die täglich auf die Weide geführt wurden und abends wieder zurück in den Stall. 

Das Obst der gemeindeeigenen Streuobstbäume auf dem Ennetacher Berg wurde früher noch eingesammelt und verwertet.

 

 

Mit der Ausweisung zum Landschaftsschutzgebiet wurden die wenigen noch verbliebenen, alten Baumgärten unter Schutz gestellt. Mit der Förderung über das MEKA-Programm werden diese Streuobstwiesen wieder von den Landwirten gemäht.

Die naturbelassenen Bereiche machen einen Spaziergang über den Ennetacher Berg besonders reizvoll.

         

 

 

Das zarte, frische Grün der Bäume ist besonders im Mai sehr intensiv zu erleben !

     
 

 

 

 

Miteinander eine Menge mehr am Ennetacher Berg

Die Bevölkerung und Vereine waren im Herbst 2004 zur Landschaftspflege am Ennetacher Berg eingeladen

Der Ennetacher Berg, ein Landschaftsschutzgebiet mit alten Hochstammobstbäumen, war einmal ein schönes Naherholungsgebiet. Jungvieh weidete dort und hielt den Bewuchs kurz und den schönen Blick auf Ennetach, das Ablachtal und bis zum  Bussen frei.  Am Fuß des Fohrenwäldle, so heißt das kleine Waldstück auf dem östlichsten Sporn des Berges bei den Ennetachern, blühten Silberdisteln und Frühlingsenziane.

Nach der Einstellung der Beweidung gingen im Laufe der Jahre die Pflanzenvielfalt und der schöne Ausblick verloren. Schlehe, Hasel und Ahorne erdrücken die Obstbäume und lassen sie absterben. Auf den Wiesen machen sich Brennnessel und Ackerdisteln breit. Gelegentliche kleinere Pflegemaßnahmen durch den Bauhof  konnten die Entwicklung kaum aufhalten. Inzwischen reicht auch bei der Stadt Mengen das Geld nicht mehr für solche Arbeiten.

Die Ennetacher beklagen wie der Berg verkommt und den Verlust des schönen Ausblickes. Auch beim NABU verfolgt man schon länger mit Sorge diese Entwicklung.

 

Aber man wollte sich jetzt nicht mehr einfach damit abfinden und besann sich auf Mengen – Miteinander eine Menge mehr. So lautet die Leitidee der lokalen Agenda 21 von Mengen. In der Praxis konnte das auch heißen,  Ennetacher Bürger, natürlich auch Mengener, Vereine, Jung und Alt, nehmen sich selber um ihren Berg an und helfen mit, dass es ihnen wieder auf dem Berg gefällt.

Und weil man in einem Landschaftsschutzgebiet nicht einfach tun kann was man will, hatte der NABU bei der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Sigmaringen angefragt, auch wegen eines eventuellen Zuschusses. Aber über eine Förderung nach den Landschaftspflegerichtlinien des Landes wurde in Tübingen entschieden. So kam es zu einer Ortsbesichtigung auf dem Berg durch Frau Altherr v. LRA Sigmaringen, Herr Fritz von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege, BNL, Tübingen, Ortsvorsteher Eberhart, Ennetach, Herr Vogel und Herr Grohm von der Stadt Mengen und Werner Löw vom NABU.

Die Maßnahme wurde von beiden Fachbehörden-Vertretern als sehr dringend gesehen. Sinnvoll war sie doch nur, wenn es danach ein Pflegekonzept  u. a. in Form von Beweidung durch Schafe, Ziegen, stellenweise auch Pferde gebe. Das wurde quasi zur Bedingung gemacht. Der besseren Förderung wegen wurde der NABU als Maßnahmeträger, auch für die Arbeit durch die Stadt, vorgeschlagen.

Es gab einem Zuschuss, hauptsächlich für den Maschineneinsatz. Eine rege Beteiligung von Seiten der Bürger und Vereine, einfach dem Berg und der Natur zuliebe an den Arbeitseinsätzen, machte die Maßnahme zu einem großen Erfolg für alle.

Pressemitteilungen 1 und 2 vom 12.10.04 zur Pflegeaktion 2004 auf dem Ennetacher Berg, SZ v. 19.10.04; SN v. 21.10.04, SZ v. 03.11.04; SN v. 04.11.04

 

 

 

Am 16. Oktober 2004 fand der erste von insgesamt 4 Pflegeeinsätzen auf dem Ennetacher Berg statt.

Insgesamt 12 Personen, darunter der Stadtpfarrer von Mengen und acht Firmlinge, waren beim 1. Pflegeeinsatz mit dabei (siehe Bilder rechts und unten).

 

 

 

Hauptsächlich junge Leute bei der Landschaftspflegemaßnahme 2004 am Ennetacher Berg

46 Helfer, vorwiegend Jugendliche, machen die Entbuschungsaktion am Ennetacher Berg zu einer gelungenen bürgerschaftlichen Aktion.

 

Ausgerechnet die Naturschützer machen in großem Stiele Büsche und Bäume um am Ennetacher Berg, auch noch in einem Landschaftsschutzgebiet. Aber die Maßnahme war mit den Naturschutzbehörden so abgesprochen. Wofür sie gut ist, das musste Werner Löw vom NABU Mengen, Scheer, Hohentengen, Ostrach auch immer erst den freiwilligen Helfern erklären. Wenn im Urwald ein breit ausladender Baum umstürzt entsteht eine Lichtung, in der viele Pflanzen und Tiere, die auf Licht angewiesen sind, wieder eine Chance bekommen. Der Ennetacher Berg hat sich zu einem kleinen Urwald entwickelt, in dem vor allem Hasel und Schlehe alles überwucherten. Die Obstbäume waren dabei abzusterben und auf den verbliebenen offenen Stellen der einmal bunten Wiesen dominierten Brennnesseln und Ackerkratzdisteln. Unter den alten Büschen ist der Boden weitgehend kahl. Der Ennetacher Berg ist ein Teil unserer einmal vielfältigen Kulturlandschaft, entstanden durch die frühere Landwirtschaft. Ihr verdanken wir auch eine große Artenvielfalt. Wir sind jedoch auf dem besten Wege dieses Erbe zu verlieren, meint Werner Löw. Mit großen Maschinen befahrbare Bereiche der Landschaft werden ausgeräumt und eingeebnet. Was schlecht befahrbar ist überlässt man der Natur, was ja zu begrüßen wäre. Aber das Mosaik der Vielfalt, dieser besondere Reiz unserer Landschaft, geht dabei verloren.

Erfreulicherweise haben sich viele junge Leute zu den Arbeitseinsätzen eingefunden.

Pfarrer Stephan Einsiedler griff selber zur Motorsäge und ging mit neun Firmlingen an zwei Samstagvormittagen tatkräftig zu Werke. Sie hatten die Teilnahme an der Entbuschungsaktion des NABU als Firmprojekt ausgewählt. Trotz Knochenarbeit kamen einige sogar ein drittes Mal. Gleich siebzehn Schülerinnen und Schülern der 9. Klasse kamen mit Frau Tikala und Frau Baacke von der Astrid Lindgrenschule Mengen einen Vormittag lang um zu helfen. Das Schleppen der großen Äste war für manche der jungen Leute die erste Erfahrung mit schwerer körperlicher Arbeit und mit der Natur. Aber allen machte es sichtlich Spaß, ihre Kraft auszulassen.

Albrecht Mohl aus Mengen wunderte sich, dass er als einziger Erwachsener aus Mengen und Ennetach sich zu der Bürgeraktion eingefunden hatte. Eine besonders große Hilfe war Markus Waldraff aus Rulfingen. Als gelernter Forstwirt verstand er es, in zwei Einsätzen äußerst wirkungsvoll mit der Motorsäge umzugehen.

Im letzten Arbeitseinsatz retteten dann vier Pfadis (Pfadfinder) noch die Ehre der Ennetacher.

Mit ihnen machten, außer den elf NABU-Mitgliedern, fünfunddreißig Personen die Entbuschungsaktion doch noch zu einem großen Erfolg und einer gelungenen bürgerschaftlichen Aktion, „Miteinander eine Menge mehr“. So eine schwere Arbeit macht hungrig. Die NABU-Aktiven Liane und Gerhard Schmid, sie wohnen direkt am Berg, haben dann auch die Akteure immer zu einem Vesper eingeladen.

Trotz 80 Stunden Arbeit mit Motorsägen, Freischneidegeräten und Balkenmäher sowie 170 Stunden Handarbeit entstand bei weitem kein Kahlhieb.

Die Fällungen wurden selektiv vorgenommen, so dass der Berg jetzt wieder lichter und leichter wirkt. Zum Schluss musste die Stadt Mengen nur noch mit großen Maschinen die riesigen Haufen an gefällten Bäumen, Sträuchern und die Wurzelstöcke häckseln und fräsen. Die Wiesenflächen müssen nun teilweise wieder hergerichtet und mit einer standortgerechten Samenmischung eingesät werden.

Auch darum will sich der NABU kümmern.

 

         

         
     Bilder vom Juni 2005 zeigen den Ennetacher Berg nach den großen Arbeitseinsätzen im Herbst 2004 lichter und leichter. Das Landschaftsschutzgebiet entwickelt sich prächtig!

         

  

Mehrere Fledermäuskästen wurden Anfang Juni 2005 angebracht.

Blick auf Ennetach und Mengen

  
       

         

       

         
 

 

 

 

 

             

Herbst-Bilder vom Ennetacher Berg Ende Oktober 2005 (Albrecht Mohl)

 

 

Schüler der Astrid-Lindgren Schule pflegten den Ennetacher Berg im Herbst 2007

Im Herbst 2004 hat der NABU zusammen mit der Firmgruppe unter Pfarrer Stefan Einsiedler und den Ennetacher Pfadfindern im Landschaftsschutzgebiet Ennetacher Berg eine frühere Jungviehweide entbuscht. Seither wird sie jeden Sommer unter tatkräftiger Hilfe von Schülern verschiedener Schulen zweimal gemäht und abgerecht. Das Mähgut wird von Ennetacher Landwirten abgeholt. Damit werden nicht nur aufkommende Baumschösslinge, Disteln und Brennnessel nieder gehalten. Das eventuell noch vorhandene Samenpotential der ursprünglichen Pflanzengesellschaft und wieder ausgebrachte Samen aus benachbarten Wiesen ähnlicher Lagen, sollen wieder Licht und eine Chance bekommen.

Die ersten Erfolge stellten sich bereits ein. Unter den inzwischen gezählten 31 Blumenarten setzen Margeriten, Witwenblumen und Glockenblumen die auffälligsten farbigen Tupfer. Vielleicht kommen auch die Silberdistel und der Frühlingsenzian zurück. Die  Wiese gehört der Stadt Mengen und liegt an dem beliebten Spazierweg unter dem „Fohrenwäldle“, der am Kneipbecken vorbei führt. Wegen ihrer Hanglage ist sie schwer mit heutigen Maschinen zu bewirtschaften und darum für Landwirte wenig interessant. Die Stadt Mengen unterhält nur den Weg.

 

Heuer haben die Schüler von Anette Hager  und die Gruppe von Alfons Laux und Marko Weidelt, beide von der Astrid-Lindgren Schule, gelernt, wie man mit Rechen und Heugabel umgeht und ein bisschen Einblick in die Naturkreisläufe bekommen. Beiläufig wurde auch das Kneipbecken gereinigt. Zum Abschluss gab es jedes Mal eine kleine Exkursion über den Berg.

 

 

 

 

August 2008

         

Die 2. Mahd am Ennetacher Berg ging zügig voran, wenn so viele Hände kräftig zupackten!

         

 

 

Der Ennetacher Berg, für Tiere und Pflanzen ein wertvoller Lebensraum, bildet für den Menschen Naturerlebnis und Erholung. Für Kinder ist er ein großartiger Natur- und Abenteuerspielplatz und für alle ein wichtiges Stück Lebensqualität.

 

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