Eisvogel (Alcedo atthis)

Foto: NABU, Manfred Delpho 

   

Der Eisvogel ist Vogel des Jahres 2009 und damit nach 1973 bereits zum zweiten Mal Vogel des Jahres!

Er ist einer der am lebhaftesten gefärbten Vögel unseres Gebietes und damit unverkennbar. Er hat eine glänzend metallisch blaue und smaragdgrüne Oberseite, eine weiße Kehle und einen weißen Halsfleck. Die Wangen und die Unterseite sind rostbraun. Wegen seiner Schönheit und Farbenpracht wird er auch gerne als "fliegender Edelstein" bezeichnet.

Der Schnabel ist lang und dolchförmig. Der Kopf ist groß. Der Körper ist untersetzt. Flügel und Schwanz sind kurz. Die Füße sind klein und leuchtend rot. Er ist ca. 16,5cm groß.

Der Eisvogel sitzt auf einer Warte über dem Wasser wachsam und zuckt häufig mit Kopf und Schwanz, stößt ins Wasser nach kleinen Fischen und Insekten und rüttelt gelegentlich, bis er zum Tauchstoß ansetzt.

Er fliegt in der Regel niedrig, gerade und pfeilschnell. Er ist ungesellig.

Der Eisvogel weist einen hohen, durchdringenden Pfiff "tiht" auf, der in Erregung schnell wiederholt wird. Die Balzstrophe ist sehr selten zu hören, ein kurzer Triller von ähnlicher Klangfarbe wie der Ruf.

 

Der Eisvogel ernährt sich hauptsächlich von kleinen Süßwasserfischen, außerdem von Insekten, kleinen Fröschen und Kaulquappen. Zeitweise erweitert er sein Nahrungsangebot auch auf Mollusken und kleine Krebse.

Der Eisvogel kommt an Flüssen, Kanälen, Seen und Teichen vor. Im Winter bewohnt er auch die Meeresküste und die Feuchtgebiete am Meer, welche der Einwirkung von Ebbe und Flut ausgesetzt sind.

Er nistet in Höhlen bzw. Brutröhren, die in meist steile Uferwände gegraben werden, gelegentlich auch weiter vom Wasser entfernt. Das Weibchen legt ab Anfang März 6 bis 7 weiß glänzende Eier, aus denen nach 18 bis 21 Tagen die Jungen schlüpfen. Nach dem Hudern durch beide Elternteile verlassen die Jungen nach weiteren 23 bis 27 Tagen endgültig das Nest. Der Eisvogel brütet in der Regel zweimal pro Jahr.

Er kommt in ganz Mitteleuropa mit Ausnahme von Teilen Schottlands, den Alpen, Teilen Italiens und Südgriechenlands vor. Seine Verbreitung reicht vom Tiefland bis in Mittelgebirgsregionen.

Der Eisvogel ist die einzige Art aus der Familie der Eisvögel (Alcedinidae), welche in Mitteleuropa vorkommt.

Er eignet sich hervorragend als Indikator für gesunde Gewässer. In weiten Teilen Europas ist er im Rückgang begriffen und steht daher auf der Roten Liste mehrerer europäischer Länder, auch Deutschlands. Strenge Winter zählen zu den natürlichen Faktoren, die bei den Eisvögeln größere Bestandsschwankungen verursachen. Der Ausbau und Kanalisierung von Fließgewässern, zunehmender Nährstoffeintrag (Eutrophierung) und Gewässerverschmutzungen wirken sich jedoch nachhaltiger auf sein Vorkommen aus. Wasserbauliche Maßnahmen haben in der Vergangenheit bereits in großem Umfang zum Verlust von natürlichen Steilufern geführt, auf die der Eisvogel zum Anlegen seiner Brutröhre angewiesen ist. Hier hat ein Umdenken eingesetzt, doch noch immer gehen Brutplätze durch Verbauung natürlicher Ufer verloren.
 

Da das Brutplatzangebot der limitierende Faktor ist, sollte die Erhaltung der verbliebenen naturnahen Fließgewässer an erster Stelle stehen. Mit gezielten Verbesserungen im Zuge von Gewässer-Renaturierungen können Brutmöglichkeiten (künstliche Steilufer) und Sitzwarten geschaffen werden. Verbesserungen der Wasserqualität und eine artenreiche Fischfauna kommen dem seltenen Vogel ebenfalls zugute. Der Einsatz von Düngemitteln und Umweltchemikalien in Gewässernähe sollte u.a. durch Bewirtschaftungsgrenzen entlang von Fließgewässern deutlich reduziert werden.
 

 

Wiederwahl nach 36 Jahren soll neuen Schwung für Gewässerschutz bringen
Der Eisvogel war bereits 1973 Jahresvogel. „Die Entscheidung, den Eisvogel nach 36 Jahren erneut zum Symboltier für das Jahr 2009 zu wählen, ist bewusst gefallen. Die damaligen Forderungen haben nicht an Aktualität verloren: Der Eisvogel braucht sauberes Wasser, naturnahe Bäche, Flüsse und Seen sowie artenreiche Talauen. Nur dort findet er seine Nahrung, überwiegend Kleinfische, und natürliche Steilwände für die Anlage seiner Brutröhren. Diese Lebensräume sind in Deutschland trotz mancher Fortschritte im Gewässerschutz immer noch Mangelware“, sagt NABU-Vizepräsident Helmut Opitz.

 

SZ v. 11.10.08

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