Pilotprojekt Donaurenaturierung Sandwinkel bei Blochingen im integrierten Donauprogramm des Landes Baden-Württemberg (Naturschutzgebiet Pfaffenkreut - Sandwinkel)

Vorgeschichte zum Fluss Donau

         

Die Donau hat von Scheer aus flussabwärts früher in vielen Schlingen und Armen, mit dazwischen liegenden Inseln, das ganze Tal eingenommen.

         

Einige sind heute noch im Relief der weiten Aue erkennbar. Sie waren relativ flach, so dass die Aue regelmäßig überflutet wurde.         
Mit dem Bevölkerungswachstum im späten Mittelalter, nach dem 30jährigen Krieg, musste die Landwirtschaft immer mehr Menschen ernähren. Eine Steigerung der Lebensmittelproduktion war damals nur über mehr Wiesen und Felder möglich.     
      

Schritt für Schritt wurden Schlingen kurz geschlossen, abgeschnitten und trocken gelegt. Besonders im 19. Jahrhundert wurden große Begradigungen vorgenommen und die Donau weitgehend in den heutigen Lauf gezwungen.

         
    Die Abflussgeschwindigkeit nahm enorm zu und führte zur Tiefenerosion. Im Bereich Blochinger Sandwinkel hatte sich die Donau  3-4m unter das Geländeniveau in die Süßwassermolasse eingetieft. Der Grundwasserspiegel sank dadurch entsprechend ab und die Felder trockneten aus.
Die typischen Auenwälder mit ihrer Tier- und Pflanzenvielfalt verschwanden bis auf schmale Randstreifen.       

         

 

Das integrierte Donauprogramm soll Abhilfe schaffen und hat zwei Dinge zum Ziel:

1. Soweit möglich wieder eine natürliche Flusslandschaft Donau herzustellen.        

2. Durch Bereitstellung von Überschwemmungsflächen die flussabwärts zunehmende Hochwassergefahr zu entschärfen.

Der Flussabschnitt Blochinger Sandwinkel wurde für das Pilotprojekt dazu als besonders günstig befunden.

1987 wurde mit den Untersuchungen und Planungen begonnen.

1991 begannen die Baumaßnahmen.

 

Um das Gefälle zu verringern, wurde eine große S-Schleife angelegt. Der Lauf verlängerte sich.

Um den Wasserspiegel anzuheben, wurden an den Ableitungen vom vorhandenen Bett zwei Sohlrampen mit jeweils ca. 1,5m Höhe eingebaut.

 

Fruchtstand der Wilden Karde (Dipsacus sylvestris Huds.) im Winterkleid

         

Der alte Verlauf wird bei normalem Wasserstand weitgehend zum Stillgewässer.        
Mit der Ausweisung zum Naturschutzgebiet wurde dem Fluss wieder Raum gegeben, um zu arbeiten, Ufer abzutragen, Inseln aufzuschütten und seinen Lauf zu verändern. Er tut es auch.           

 

 

Am 10.06.2001 fand trotz extremen Dauerregens eine der beiden geplanten Führungen für 2001 um 14 Uhr zur Donaurenaturierung bei Blochingen mit immerhin 8 Teilnehmern unter Leitung von Werner Löw statt. 

Die zweite Führung um 15:30 Uhr musste damals entfallen, zwar nicht mangels Teilnehmern (es hatten sich erneut rund sechs Personen eingefunden), sondern wegen kompletter Durchnässung des 1.Vorsitzenden.

Ausgangspunkt der Führung war die neue Scheune am Donauradweg rechts der L268 vor der Donaubrücke von Mengen nach Blochingen.

      

    

    

Das Pilotprojekt Blochinger Sandwinkel zur Renaturierung der Donau sorgte landesweit für Aufsehen. Grosse Mengen an Boden und Kies wurden bewegt. Nach der Fertigstellung wurde das bis dahin einmalige Vorhaben zum Mekka für Wasserbauer, Naturschützer und viele Interessierte.        

 

Als dann auf den neu geschaffenen Kiesbänken mehrere Brutpaare des sehr selten gewordenen Flussregenpfeifers ihre Jungen aufzogen, wurden diese zum Magneten für viele Ornithologen und Symbolvogel für das Projekt. Das etwa 30 Hektar große Areal wurde als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

 

  

 

 

Lässt man natürliche Gewässer gewähren, verändern sie sich. So hat auch die Donau in diesem Abschnitt nach 8 Jahren ihr Aussehen verändert. In ihrem neuen Bett hat sie Ufer abgetragen, neue Kiesbänke aufgeschüttet, die große Insel im Pfaffenkreut mit einem Arm durchschnitten. 

 

 

Üppige Vegetation (vor allem die Ufer-Weide) hat sich breit gemacht und damit haben sich auch die Artengesellschaften verändert. Der Flussregenpfeifer ist wieder verschwunden und andere Vogel- und Tierarten haben sich eingestellt, sogar der Biber.      

Auch ein Getreidefeld mit viel Mohn, welches das Naturschutzgebiet am Rande säumt, hat seinen ganz besonderen Reiz !   

 

    

 

   

 

Die Donau hat im Laufe der Zeit ihren eigenen Lauf aktiv herausgearbeitet. Zur Zeit bestehen drei Inseln im Gebiet der Renaturierung.

      

 

Am Ufer entlang sind auf frei gebliebenen Flächen, zum Teil in ehemaligen Altarmen der Donau, wertvolle Magerrasen-Pflanzengesellschaften entstanden, wie hier mit überwiegendem Anteil die Margerite.

 

Was in Vergessenheit geriet, ist die ursprünglich geplante Besucherlenkung mittels Aussichtstürmen, die den Besuchern bei weitgehender Schonung des Naturschutzgebietes gezielten und kompletten Einblick in das weiträumige Areal verschaffen sollte.

 

Am 10 Juni 2001 wollte der NABU diese Veränderungen des wieder lebendigen Flusses zeigen. Mit der Führung dicht am Schutzgebiet entlang konnten die Besucher die Natur erleben, ohne groß zu stören. Als Schmankerl waren auf einem Maisacker direkt daneben drei Kiebitzpaare mit Jungen zu beobachten.

 

Verschiedene Exkursionen führten in der Zwischenzeit wieder in den Blochinger Sandwinkel, zuletzt im Mai 2005 im Rahmen der NABU-Aktion "Erlebter Frühling" mit einer Schulklasse unter Führung von Anne Pfundstein und Werner Löw.

 

Auch der Biber erobert die Donau im "Blochinger Sandwinkel" wieder als Lebensraum zurück (SZ v. 09.12.05).

 

Bericht Schwäbische Zeitung vom 08.06.2001.

Bericht Stadtnachrichten vom 07.06.2001.

Pressemitteilung vom 05.06.2001.

 

Weitere Berichterstattung und verwandte Themen:

Bericht Schwäbische Zeitung "Integriertes Donauprogramm" vom 11.10.01.

Bericht Schwäbische Zeitung "Altarme Donau (Hundersingen)" vom 12.10.01.

Bericht Schwäbische Zeitung über den Biber im Blochinger Sandwinkel vom 13.10.01 Teil 1, Teil 2.

Bericht Wochenblatt über den Biber im Blochinger Sandwinkel vom 18.10.01.

Bericht Schwäbische Zeitung über den Biber am Bodensee vom 21.01.02.

Bericht Schwäbische Zeitung über den Biber bei Riedlingen vom 01.02.02.

Bericht Schwäbische Zeitung über weitere Donau-Renaturierung vom 05.07.02.

Bericht Info über den Biber im oberen Donautal vom 08.01.2003

Bericht Wochenblatt über den Biber im oberen Donautal

Bericht Schwäbische Zeitung über den Biber an der Riedlinger Donau vom 23.01.03.

Bericht Schwäbische Zeitung über den Biber im Blochinger Sandwinkel vom 09.12.05.

Bericht Schwäbische Zeitung "Der Biber lebt und hinterlässt zahlreiche Spuren" [entlang der Donau in Scheer] vom 04.03.06.

Bericht Schwäbische Zeitung "Die Donau verfügt wieder über ihr natürliches Bett" vom 07.09.06.

Bericht Schwäbische Zeitung "Donau: Hier hat Natur wieder einen Platz" vom 12.03.11

 

Beobachtungen zur Ansiedlung des Flussregenpfeifers im Blochinger Sandwinkel (Natur- und Umweltschutz-AG der Realschule Mengen in Zusammenarbeit mit unserer Ortsgruppe, Dezember 1994):

Titel, Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25 und 26.

 

Artenliste der Vögel am Blochinger Sandwinkel 1994:

Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5, Seite 6, Seite 7, Seite 8 und Seite 9.

 

Aktion "Lebendige Donau" - Eine gemeinsame initiative des NABU Landesverband Baden-Württemberg e.V. / BUND Landesverband Baden-Württemberg e.V. / Deutsche Umwelthilfe (Donau-Rundbrief 1 / 2002):

Seite 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8.

 

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